Ostern

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Os|tern ['o:stɐn], das; -, - <meist ohne Artikel>:
Fest der Auferstehung Christi:
Ostern war verregnet; [(bes. nordd.:) zu/(bes. südd.:) an] Ostern verreisen; wir hatten ein schönes Ostern; <landschaftlich und in bestimmten Wunschformeln und Fügungen auch im Plural:> wir hatten schöne Ostern; fröhliche Ostern!

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Os|tern 〈n.; -, -〉 Fest der Auferstehung Christi ● frohes, 〈od.〉 frohe \Ostern!; an, zu \Ostern; wenn \Ostern und Pfingsten auf einen Tag fallen 〈fig.; umg.; scherzh.〉 niemals; weiße \Ostern Ostern mit Schnee [<mhd. osteren, ahd. ostarun; weitere Herkunft unsicher] Siehe auch Info-Eintrag: Ostern - info!

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Os|tern , das; -, - <meist o. Art.; bes. südd., österr. u. schweiz. u. in bestimmten Wunschformeln u. Fügungen auch als Pl.> [mhd. ōsteren, ahd. ōstarūn (Pl.); viell. nach einer idg. Frühlingsgöttin (zu ahd. ōstar = östlich; im Osten, d. h. in der Richtung der aufgehenden Sonne, des [Morgen]lichts)]:
Fest der christlichen Kirche, mit dem die Auferstehung Christi gefeiert wird:
O. ist dieses Jahr früh;
vorige, letzte O. war sie in Paris;
wir hatten ein schönes O./schöne O.;
ich wünsche euch frohe O.!;
wir treffen uns O.;
wir hatten weiße O. (Ostern mit Schnee);
(bes. nordd.:) zu O./(bes. südd., schweiz.:) an O.;
(landsch., bes. österr., schweiz.:) diese O. werde ich verreisen;
was willst du den Kindern zu O. schenken?;
kurz vor, nach O.;
wenn O. und Pfingsten/Weihnachten zusammenfallen, auf einen Tag fallen (ugs.; niemals).

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I
Ostern
 
[althochdeutsch ōstarun, Name eines heidnischen Frühlingsfestes und einer heidnischen Frühlingsgöttin, in altenglischen Texten als Eostrae überliefert, dies verwandt u. a. mit griechisch héōs, lateinisch aurora »Morgenröte«], ältestes christliches Fest und Hauptfest des Kirchenjahres; hervorgegangen aus der christlichen Umdeutung des jüdischen Passah, wird Ostern seit Mitte des 2. Jahrhunderts jährlich zum Gedächtnis des Todes und der Auferstehung Jesu Christi gefeiert.
 
 
In der Urkirche war Ostern zunächst kein eigenes Jahresfest; Höhepunkt des christlichen Kultes war die wöchentliche Eucharistiefeier am Sonntag. Ostern als christliche Jahresfeier setzte sich erst allmählich durch. Ein Hinweis auf die wachsende Bedeutung, die Ostern in der Kirche der ersten Jahrhunderte zukam, ist die Auseinandersetzung um das Datum des Osterfestes (Osterfeststreit). V. a. die Christen Kleinasiens und Syriens feierten Ostern am 14. Nissan, dem jüdischen Passahtermin (daher auch Quartodezimaner genannt), die römische Christengemeinde und die meisten anderen Gemeinden dagegen am Sonntag nach dem 14. Nissan. Das 1. Konzil von Nicäa (325) sollte den Streit schlichten und legte den Ostertermin einheitlich auf den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn fest. Umstritten war jedoch weiterhin, wie der Termin faktisch anzusetzen sei (Osterrechnung, Ostertafeln). Da verschiedene Osterzyklen vorausgesetzt wurden, kam es zu Unterschieden, die erst durch Dionysius Exiguus, der 525 auf Veranlassung von Papst Johannes I. die in Alexandria übliche Berechnungsweise auch in Rom durchsetzte, aufgehoben wurden. Die chronologische Bestimmung wurde der Kirche von Alexandria übertragen, deren Bischöfe schon seit dem 3. Jahrhundert diesen Termin in Osterfestbriefen bekannt gaben. - Zwischen den westlichen Konfessionen und den Ostkirchen bestehen Unterschiede in der Berechnung des Ostertermins, da die Ostkirchen den Frühlingsanfang nach dem julianischen und nicht nach dem gregorianischen Kalender bestimmen (Kalender).
 
Schon früh verbrachten die christlichen Gemeinden nach dem Vorbild der Passahliturgie (2. Mose 12, 42) die Osternacht wachend mit Lesung und Gebet in Erwartung des wiederkommenden Herrn (Parusie). Seit dem 3. Jahrhundert erfolgte in dieser Nacht (»Heilige Nacht«) auch die Taufe der Katechumenen; seit dem 4. Jahrhundert wurde die Liturgie auf eine dreitägige Osterfeier (»österliches Triduum«) - angefangen mit der Abendmahlsmesse am Gründonnerstag, über Karfreitag und Karsamstag bis zur Vesper am Ostersonntag - ausgedehnt; den Höhepunkt bildete die Osternacht (Ostervigil) von Karsamstag auf Ostersonntag. Durch Ausdehnung des vorbereitenden Fastens auf die vorausgehenden Wochen entstand die mit Aschermittwoch beginnende 40-tägige Fastenzeit (wobei die Sonntage keine Fastentage sind) als Zeit der Tauferinnerung (bei Erwachsenentaufen in der Osternacht auch der Taufvorbereitung) und der Buße. Der Ostersonntag ist zugleich Beginn der 50-tägigen Osterzeit (Pentekoste), die mit dem Pfingstsonntag abschließt. Die ersten acht Tage der Osterzeit bilden die Osteroktav. Das 4. Laterankonzil (1215) bestimmte, dass jeder Gläubige wenigstens zu Ostern kommunizieren müsse. Diese Kommunionpflicht (»Osterpflicht«) wurde später auf die österliche Zeit ausgedehnt. Im Verlauf des Mittelalters verlegte man die Feier der Osternacht immer weiter vor; seit dem 14. Jahrhundert fand sie am frühen Karsamstagmorgen statt. In der katholischen Kirche wurde die Ostervigil erst 1951 wieder für die Nacht gestattet; seit 1956 ist die nächtliche Feier vorgeschrieben.
 
Nach lateinischer Liturgie umfasst die Osternachtfeier folgende Teile: 1) die Lichtfeier (Segnung des Osterfeuers, eines Holzfeuers vor der Kirche, Entzünden der Osterkerze, Einzug mit der Osterkerze in die Kirche, Exsultet); 2) Wortgottesdienst mit bis zu sieben Lesungen (fünf aus dem Alten Testament, u. a. 2. Mose 14, 15 ff., zwei aus dem Neuen Testament) mit Zwischengesängen; 3) Tauffeier mit Erneuerung des Taufversprechens; 4) festliche Eucharistiefeier. In den evangelischen Kirchen bildet der festliche Gottesdienst am Ostersonntag den liturgischen Höhepunkt; die Feier der Osternacht setzt sich jedoch auch in immer mehr Gemeinden der lutherischen und reformierten Kirchen durch. Die anglikanischen Kirchen feiern ebenfalls die Osternacht und am Ostersonntag festlich die Eucharistie und Evening-Prayer (Vesper). Zur Osterfeier der orthodoxen Kirche gehören die Vesper des Karsamstags (mit 15 Lesungen aus dem Alten Testament) sowie der Orthros (Morgengottesdienst) des Sonntags, der durch eine Lichtprozession um die Kirche eingeleitet wird. Seinen Kern bilden der Osterkanon des Johannes von Damaskus (mit dem Kehrvers »Christ ist erstanden«) und die Verlesung der Osterpredigt des Johannes Chrysostomos.
 
Mannigfaltiges Brauchtum kennt schon die Karwoche (besonders Palmsonntag, Gründonnerstag). - In den zahlreichen volkstümlichen (zumeist Frühlings-)Bräuchen zu Ostern leben häufig vorchristliche und magische Motive weiter, die später mit christlicher Sinngebung belegt wurden. Germanisches Frühlings- und christliches Osterfest feiern den Sieg des Lebens über den Tod. - In der Nacht zum Ostersonntag (in der Mitternachtsstunde oder vor Sonnenaufgang) muss das als heilkräftig und magisch geltende Osterwasser, Symbol des Lebens und der Fruchtbarkeit, von jungen Mädchen schweigend aus einem fließenden Wasser gegen den Strom geschöpft und still nach Haus gebracht werden. Das Schmücken der Brunnen mit ostereierverzierten Girlanden oder mit bändergeschmückten Bäumchen (»Osterbrunnen«), wie heute noch in der Fränkischen Schweiz, ist Ausdruck der Dankbarkeit für das Leben spendende Wasser, besonders in wasserarmen Gegenden. »Schmack-O.« (polnisch smigać, smagać »peitschen«; niederdeutsch smacken »schlagen«) - das Schlagen mit sprießenden Zweigen (»Lebensrute«) sollte deren Lebenskraft auf junge Menschen beziehungsweise weibliche Tiere übertragen - hielt sich als vorchristlicher Brauch in vielen Teilen Mittel- und Ostdeutschlands (bis 1939/45), Osteuropas sowie den Alpenländen und lebt als Heischegang von Kindern bis heute fort (u. a. in Niederösterreich und in Brandenburg). Im katholischen Alpenraum (Salzburg, Oberösterreich) sowie in der katholischen Lausitz (hier am Ostersonntag; zuletzt mit mehr als 1 000 Reitern) erhielt sich das Osterreiten (als Flurumritt). Großer Wert wurde auf das Festessen (Fleisch, Eier) nach der 1. Messe gelegt, weil damit die Fastenzeit der katholischen Kirche beendet war. Auf kirchlichen Brauch gehen die besonders in Norddeutschland üblichen Osterfeuer beziehungsweise Osterräder zurück. Gebäcke und Gebildbrote mit Fruchtbarkeitssymbolen oder in Form des Osterlamms beziehungsweise des Osterhasen (älteste Nachweise 1638 beziehungsweise 1682 aus dem Saar- und Neckargebiet) sind zum Teil heute noch üblich, ebenso spezielle Gerichte. Seit dem 17. Jahrhundert verbreitete sich, später verknüpft mit zahlreichen Spielen (Ei), das Suchen gefärbter (oder anders verzierter) Ostereier, die im protestantischen Kinderbrauch der Osterhase brachte, inzwischen auch das Schmücken von Eierbäumchen. Aus geistlichen Schauspielen gingen Osterspiele hervor. Auch der Osterspaziergang ins Grüne, in Österreich als »Emmausgehen« (Gang der Jünger Jesu nach Emmaus, Lukas 24, 13-35) bezeichnet, ist weit verbreitet (früher als Flurbegehungen); in der deutschen Literatur wurde er besonders einprägsam durch J. W. Goethe gestaltet (»Faust«, 1. Teil, Szene »Vor dem Tor«). - Im Mittelalter war Ostern auch (volkstümlicher) Jahresbeginn.
 
 
Hermanus A. P. Schmidt: Hebdomada Sancta, 2 Bde. (1956-57);
 H. Moser: Osterei u. Ostergebäck, in: Bayer. Jb. für Volkskunde (1957);
 C. Hole: Easter and its customs, a brief study (New York 1961);
 W. Huber: Passa u. O. Unterss. zur Osterfeier der alten Kirche (1969);
 B. Kleinheyer: Die neue Osterfeier (1971);
 A. Strobel: Ursprung u. Gesch. des frühchristl. Osterkalenders (Berlin-Ost 1977);
 A. Strobel: Texte zur Gesch. des frühchristl. Osterkalenders (1984);
 W. Heim: Osterbrauchtum (Freiburg 1979);
 R. Cantalamessa: O. in der Alten Kirche (a. d. Ital., Bern 1981);
 
O. in Westfalen, hg. v. D. Sauermann (1986);
 H. Auf der Maur: Die Wiederentdeckung der Osternachtfeier in den abendländ. Kirchen, in: Bibel u. Liturgie, Jg. 60 (Klosterneuburg 1987); Ostereier - Osterbräuche, bearb. v. R. Vossen u. a. (61995);
 C. Schillinger: Fränk. Osterbrunnen. Volksbrauch u. Volkskunst (Neuausg. 1997).
 
II
Ostern
 
Ostern ist das älteste christliche Fest und das Hauptfest im Kirchenjahr. Ursprünglich ist es hervorgegangen aus der Umdeutung des jüdischen Passahfestes. Seit Mitte des 2. Jahrhunderts ist Ostern ein jährliches Fest zum Gedächtnis an Tod und Auferstehung Christi. Mit vielerlei Brauchtum wird das wichtigste christliche Fest noch heute gefeiert.
 
 
Der Osterfeststreit
 
In der Urkirche war der Höhepunkt des christlichen Kultes die wöchentliche Feier der Eucharistie am Sonntag. Ostern als eigenes Jahresfest kannte die Urkirche nicht. Dieses setzte sich erst allmählich durch. Schon bald allerdings kam es zu einer Auseinandersetzung um das Datum des Osterfestes, zum Osterfeststreit. Dieser Streit entstand zwischen den Christen Kleinasiens und Syriens auf der einen Seite, die Ostern am 14. Nissan, dem jüdischen Passahtermin, feierten, und der römischen Christengemeinde, die wie die meisten anderen Gemeinden Ostern am Sonntag nach dem 14. Nissan feierte. Als dann das 1. Konzil von Nizäa 325 den Ostertermin einheitlich für alle Christen auf den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn festlegte, wurde nicht nur Ostern terminlich vom Passahfest getrennt, sondern auch ein Bruch mit der jüdischen Tradition vollzogen, nach der das Passah-, und damit nach Auffassung der judenchristlichen Gemeinden auch das Osterfest, auf jeden Tag der Woche fallen konnte.
 
Allerdings blieb die faktische Ansetzung dieses Termins weiterhin umstritten. Es wurden verschiedene Osterzyklen vorausgesetzt und so kam es weiterhin zu Unterschieden. Erst Dionysius Exiguus beendete diesen Streit, indem er auf Veranlassung von Papst Johannes I. 525 auch für Rom die Berechnungsweise durchsetzte, die in Alexandria üblich war: den 19-jährigen Zyklus. Der Kirche von Alexandria wurde die chronologische Bestimmung übertragen. Schon seit dem 3. Jahrhundert hatten die Bischöfe der Kirche von Alexandria den Ostertermin in ihren Osterfestbriefen bekannt gemacht. Übrigens war das astronomisch bedingte »Vorrücken« des Ostertermins durch diese Osterregel im 16. Jahrhundert Anlass für die Kalenderreform von Papst Gregor XIII.
 
Weiterhin gibt es Unterschiede bei der Berechnung des Ostertermins zwischen den westlichen Konfessionen und den Ostkirchen. Der Grund liegt darin, dass die Ostkirchen bei der Bestimmung des Frühlingsanfangs nach dem julianischen und nicht nach dem gregorianischen Kalender gehen.
 
Feier der Osternacht
 
Die christlichen Gemeinden verbrachten schon früh die Osternacht wachend mit Lesung und Gebet in Erwartung des wiederkommenden Herrn. Vorbild war dabei die Passahliturgie. Ab dem 3. Jahrhundert wurden in dieser »Heiligen Nacht« dann auch die Katechumenen (die erwachsenen Taufbewerber) getauft. Ab dem 4. Jahrhundert erfolgte eine Ausdehnung der Liturgie auf eine dreitägige Osterfeier, das so genannte österliche Triduum. Diese Liturgie begann an Gründonnerstag mit der Abendmahlsmesse und erstreckte sich dann über Karfreitag und Karsamstag bis hin zur Vesper am Ostersonntag. Höhepunkt dieser Liturgie war die Osternacht (Ostervigil) von Karsamstag auf Ostersonntag.
 
Die Fastenzeit
 
Die 40-tägige Fastenzeit entstand durch die Ausdehnung des vorbereitenden Fastens auf die Ostern vorausgehenden Wochen. Diese Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch. Die Sonntage sind keine Fastentage. Diese Zeit dient der Tauferinnerung und der Buße. Am Ostersonntag beginnt die 50-tägige Osterzeit (Pentekoste), die am Pfingstsonntag endet. Die Osteroktav sind dabei die ersten acht Tage der Osterzeit. Im Jahr 1215 beschloss das 4. Laterankonzil eine Kommunionpflicht für alle Gläubigen, die festlegte, dass jeder Gläubige zumindest zu Ostern kommunizieren müsse. Später wurde diese Kommunionpflicht dann auf die österliche Zeit ausgedehnt. Die Feier der Osternacht wurde während des Mittelalters immer weiter vorverlegt, bis sie dann ab dem 14. Jahrhundert am frühen Karsamstagmorgen stattfand. Erst im Jahr 1951 wurde die Ostervigil in der katholischen Kirche wieder für die Nacht gestattet. Seit 1956 ist die nächtliche Feier vorgeschrieben.
 
 Feier des Osterfestes
 
Ostern in der lateinischen Liturgie
 
In der lateinischen Liturgie besteht das Osterfest aus vier Teilen. Zunächst erfolgt die Lichtfeier. Dabei wird das Osterfeuer gesegnet, die Osterkerze entzündet, dem folgt der Einzug mit der Osterkerze in die Kirche. Als zweiter Teil der Liturgie steht ein Wortgottesdienst an. Er enthält bis zu sieben Lesungen mit Zwischengesängen, fünf Lesungen aus dem Alten und zwei aus dem Neuen Testament. Dem Wortgottesdienst folgt die Tauffeier mit der Erneuerung des Taufversprechens. Den Abschluss bildet dann die festliche Eucharistiefeier.
 
Ostern in den evangelischen, anglikanischen und orthodoxen Kirchen
 
Den liturgischen Höhepunkt in den evangelischen Kirchen bildet der festliche Gottesdienst am Ostersonntag. Allerdings feiern auch immer mehr Gemeinden der lutherischen und reformierten Kirchen die Osternacht. Auch die anglikanischen Kirchen feiern die Osternacht. Sie begehen dann am Ostersonntag die Eucharistie und kennen zudem das Evening-Prayer, die Vesper. In der orthodoxen Kirche wird am Karsamstag die Vesper gefeiert. Dabei gibt es 15 Lesungen aus dem Alten Testament. Dem schließt sich der Morgengottesdienst (Orthros) des Sonntags an. Er beginnt mit einer Lichterprozession um die Kirche. Beim Morgengottesdienst wird dann der Osterkanon des Johannes von Damaskus mit dem Kehrvers »Christ ist erstanden« gefeiert. Zudem wird die Osterpredigt des Johannes Chrysostomos verlesen.
 
 
Viele der Osterbräuche, die auch schon in die Karwoche fallen (etwa an Palmsonntag und Gründonnerstag), sind in ihrem Ursprung aus vorchristlicher Zeit und wurden später mit einer christlichen Sinngebung belegt. Nach verbreiteter Deutung feiern das germanische Frühlings- und das christliche Osterfest den Sieg des Lebens über den Tod.
 
Osterwasser
 
Das Osterwasser, das als heilkräftig und magisch gilt, ist das Symbol des Lebens und der Fruchtbarkeit. Es wurde in der Nacht zum Ostersonntag von jungen Mädchen schweigend aus einem fließenden Wasser gegen den Strom geschöpft. Danach brachten es die jungen Mädchen still nach Hause. Das Schöpfen des Osterwassers musste in der Mitternachtsstunde oder vor Sonnenaufgang erfolgen. Noch heute werden in der Fränkischen Schweiz Brunnen geschmückt. Diese »Osterbrunnen« mit ihren ostereierverzierten Girlanden oder mit bändergeschmückten Bäumchen drücken die Dankbarkeit aus für das Leben spendende Wasser.
 
Osterreiten und Osterräder
 
Den Brauch des Osterreitens, vermutlich ursprünglich ein Flurumritt, kennt man vor allem im katholischen Alpenraum, besonders in Salzburg und in Ostösterreich. Auch in der katholischen Lausitz ist das Osterreiten - hier am Ostersonntag - üblich, zuletzt nahmen mehr als 1 000 Reiter teil. Osterräder bzw. Osterfeuer, seit dem 15. Jahrhundert als feste Tradition belegt, haben sich vor allem in Norddeutschland, im Harz und im österreichischen Alpengebiet erhalten.
 
Gebäcke und Osterhase
 
Wichtig war auch das gute Essen nach der ersten Messe - vor allem von Fleisch und Eiern -, mit dem die Fastenzeit der katholischen Kirche beendet wurde. Zum Teil heute noch üblich sind Gebäcke und Gebildbrote mit Fruchtbarkeitssymbolen oder in Form des Osterlamms bzw. des Osterhasen, von dem es älteste Nachweise aus dem 17. Jahrhundert aus dem Saar- und Neckargebiet gibt.
 
Bei allen Kindern noch heute sehr beliebt ist das Suchen der Ostereier. Das Suchen gefärbter oder anders verzierter Eier kennt man seit dem 17. Jahrhundert. Im protestantischen Kinderbrauch bringt diese Eier der Osterhase. Der Brauch geht auf die mittelalterliche Eier- und Speisenweihe, das österliche Zinsei als grundherrliche Abgabe (ebenso der Hase) und österliche Eierspenden zurück und hängt allgemein mit der dem Ei zugeschriebenen vitalen Symbolkraft zusammen. Zu einem besonderen Zweig der Volkskunst entwickelte sich die Kunst der Verzierung der Ostereier, zumal im slawischen Kulturraum, einschließlich der Sorben. Die Herkunft des Osterhasen, der noch Anfang des 19. Jahrhunderts in vielen Teilen Deutschlands unbekannt war, wird neben seinem Bezug zur österlichen Zinsabgabe auch in einem fehlgedeuteten Osterlammgebildbrot gesehen.
 
Osterspaziergang
 
Durch Johann Wolfgang von Goethe wurde der Osterspaziergang ein fester Bestandteil der klassischen Literatur (»Faust«, 1. Teil, Szene »Vor dem Tor«). Dieser Spaziergang ins Grüne heißt in Österreich auch »Emmausgehen«, in Erinnerung an den Gang der Jünger Jesu nach Emmaus (Lukasevangelium 24, 13-35).
 

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Os|tern, das; -, - <meist o. Art.; bes. südd., österr. u. schweiz. u. in bestimmten Wunschformeln u. Fügungen auch als Pl.> [mhd. ōsteren, ahd. ōstarūn (Pl.); viell. nach einer germ. Frühlingsgöttin (zu ahd. ōstar = östlich; im Osten, d. h. in der Richtung der aufgehenden Sonne, des [Morgen]lichts)]: Fest der christlichen Kirche, mit dem die Auferstehung Christi gefeiert wird: O. ist dieses Jahr früh, fällt dieses Jahr in den März; es ist bald O.; was habt ihr [nächste] O. vor?; vorige, letzte O. war sie in Paris; wir hatten ein schönes O./schöne O.; ich wünsche euch frohe O.!; wir hatten weiße O. (Ostern mit Schnee); (bes. nordd.:) zu O./(bes. südd.:) an O.; (landsch., bes. österr., schweiz.:) diese O. werde ich verreisen; bis O. ist es noch lange; kurz vor, nach O.; was willst du den Kindern zu O. schenken?; *wenn O. und Pfingsten/Weihnachten zusammenfallen, auf einen Tag fallen (ugs.; niemals).

Universal-Lexikon. 2012.

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